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Ortung – Die multimediale Vermessung eines Militärstandortes: Postmoderne Geschichtsschreibung im Dokumentarfilm

Transkript Verlag 2015

Dieses Buch ist der letzte Teil des Projekts zur multimedial-dokumentarischen Vermessung eines Ortes und seiner Vergangenheit. Es wirft einen Blick auf die über 100-jährige gemeinsame Geschichte der Garnisonsgemeinde Stetten am kalten Markt und des Truppenübungsplatzes Heuberg. Es versammelt einerseits Menschen, (historische) Texte, Archivdokumente und Perspektiven. Andererseits bietet es eine wissenschaftliche Abhandlung über Geschichtsschreibung im Film. Auf Grundlage unterschiedlicher Konzepte aus der Dokumentarfilm- und Geschichtstheorie entwickelt Kathrina Edinger eine eigene »Historiophotologie« und reflektiert diese an dem Dokumentarfilm »Ortung«, der den Lesern online zur Verfügung steht.

Dieses Buch ist eine Sammlung von Texten und Archivdokumenten, Perspektiven und der Versuch einer Interpretation. Es basiert auf drei Komplexen: dem Film Ortung, Materialien, die im Rahmen der Dreharbeiten zu diesem Film ent- standen oder gefunden worden sind; eine wissenschaftliche Abhandlung über Geschichtsschreibung und Dokumentarfilm, veranschaulicht an Ortung. Der Film ist ein wesentlicher Teil dieses Buchprojekts. Nicht nur basiert die wissenschaftliche Abhandlung darauf, sondern auch die Materialien des ersten Teils sind als Ergänzung zu den im Film präsentierten Quellen zu betrachten.

Die Materialien sind vor allem Dokumente, die während den Archivrecherchen für den Film gefunden wurden. Letzterer verlangte häufig aus erzählerischen Gründen eine Kürzung der Quellen. Die Dokumente in diesem Buch sind trotz Lücken, vor allem aufgrund von Archivschäden, in ihrer vollständigen Länge enthalten. Damit will ich vor allem auf den originalen Zustand der Quellen hinweisen. Ein Großteil der verwendeten Materialien sind Egodokumente. Dies könnte aus geschichtswissenschaftlicher Perspektive einer näheren Begrün- dung bedürfen. Da diese Sammlung aber keine umfassende Quellensammlung darstellen kann und soll, möchte ich es bei einer kurzen Erläuterung belassen: im Laufe der Produktion des Films Ortung waren es gerade die Egodokumente, die mit ihrer Erzählung überraschten und faszinierten. Der „Entdeckergeist“, den wohl Filmemacher und Historiker gleichermaßen ergreifen kann, wenn sie einen Einblick in persönliche und zum Teil irritierende Perspektiven bekommen, möchte ich auch in diesem Buch aufrecht erhalten. Dabei kommt sicherlich die kontextuelle Einordnung der Geschehnisse an manchen Stellen zu kurz. Wiede- rum soll aber dieses Buch keine Chronik der Ereignisgeschichte Stettens a.k.M. oder des Truppenübungsplatz bieten. Trotz einer chronologischen Sortierung der Materialien habe ich eine Gliederung nach den Verfassern der Quellen bevorzugt. Auf diese Weise sollen zeitliche und räumliche Verbindungen sichtbar werden.

Leider ist es aufgrund ihres Umfangs nicht möglich, sämtliche geführten Interviews mit Zeitzeugen und „Experten“ in diesem Buch abzudrucken. Die aus- gewählten Gesprächspassagen haben für mich aufgrund ihres Inhalts, ihrer „inneren Debatte“ oder ihrer zeitübergreifenden Relevanz bereits selbst Quellencharakter und unterscheiden sich in ihrer Qualität daher meiner Einsicht nach nicht wesentlich von den Archivdokumenten.

Um die Verfasser der Quellen und die Gesprächspartner formal nicht zu trennen, werden sie daher gleich behandelt. Die Verwendung der Vornamen (insofern bekannt) hat ganz pragmatische Gründe: zum einen, um den Personen eine gewisse Anonymität zu garantieren; zum anderen, da ein persönlicher Bezug zu den sowohl lebenden als auch bereits verstorbenen Personen im Rahmen der Filmproduktion entstanden ist. Die vermeintliche objektive Distanz, die Journalisten oder Historiker zu „ihren“ Protagonisten haben, soll damit erst gar nicht suggeriert werden.

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